Mo 7 Jul 2008
Die Geschichtenerzähler
Posted by somuchcloser under .
Ich beobachte bei mir schon seit längerem das Phänomen grundsätzlich einzuschlafen, sobald mir in irgendeiner Form Geschichten erzählt werden. Sei es beim abendlichen Fernsehprogramm, das ich mittlerweile extra schon zum Einschlafen anschalte und deswegen von vielen Filmen nur den Anfang kenne, oder auch Hörbücher, die ich mir in Ermangelung eines echten Vorlesers zwischendurch mal gönne. Es ist beinahe immer das gleiche, nach einer halben Stunde schlafe ich tief und fest.
Diese Tatsache stellt mich in meinem Studentenleben immer wieder vor ein Problem:
Wie schon des Öfteren bemängelt, bestehen einige meiner Seminare nur aus Referaten, was mich, wie ebenfalls bekannt sein sollte, sehr ärgert. Einerseits, weil dadurch das Niveau beinahe ins bodenlose sinkt, andererseits, weil durch die Art des Vortrags in mir oft das Bild eines Geschichtenerzählers geweckt wird, was folglich spontane lähmende Müdigkeit hervorruft. In einem abgedunkelten Raum zu sitzen, der nur vom Flackern des Beamers erhellt wird, während vorne jemand steht und anderthalb Stunden wortwörtlich seinen ausformulierten Text vorliest, das hat schon beinahe Fernsehcharakter. Heute allerdings flackerte zur Abwechslung der Beamer so stark, dass man zwischenzeitig Angst haben musste vor einem epileptischen Massenanfall. Jaja, die Technik. Fluch und Segen…
Da aber nun ja auch das Semesterende naht, und die Angst vor den Prüfungen und den eigenen Wissenslücken immer größer wird, zwang ich mich heute gegen meinen Schlafzwang anzukämpfen.
Während also eine Stimme in meinem Kopf ein bekanntes Ärzte-Lied sang…
(Ich bin genervt, ich bin frustriert
Weil hier einfach nichts passiert,
Weil hier nie etwas passiert…
…Mir ist langweilig)
…bemühte sich ein anderer Teil von mir wenigstens einen Bruchstück der Inhalte aufzunehmen, was in meinem unmotivierten Hirn zu teilweise merkwürdigen Verknüpfungen führte.
Unter dem Oberthema “Sozialisation in der Lebenslaufperspektive” ging es - wie eigentlich jede Woche - um die Benachteiligung der Frau. Da mir das Thema schon fast (entschuldigt bitte meinen fehlenden Feminismus an dieser Stelle) zu den Ohren raushängt, blieb mir eigentlich nur ein einziger Aspekt wirklich im Gedächtnis. Als diskrimierend empfunden wurde die Tatsache, dass Frauentoiletten grundsätzlich überfüllter sind als Männertoiletten, was meiner Dozentin zufolge daran liegt, dass Frauentoiletten unterrepräsentiert sind. Das ist ein Faktor der mir nie bewusst war, denn ich habe die langen Schlangen vorm Damenklo immer auf eher biologische Faktoren zurückgeführt, wie z.B. die besser funktionierende Blase der Männer und darauf, dass es zumindest in der freien Natur mehr Alternativen gibt. Das würde ja weniger auf eine gesellschaftliche, sondern viel mehr auf eine “natürliche” Diskriminierung schließen lassen. Und wenn man dann, mit christlichen Weltbild, auch noch davon ausgeht, dass die Natur von Gott geschaffen ist, dann stellt sich doch die Frage: Hat Gott was gegen Frauen? Und ist das immer noch Evas Schuld?
Ein weiter wichtiger Punkt, den ich gelernt habe, wurde unter dem Thema “Abhängigkeiten in Partnerschaften” abgehandelt. Auch hier sind wir Frauen natürlich benachteiligt, denn uns fehlen die nötigen ökonomischen Ressourcen um jemanden an uns zu binden. Aber wir haben quasi eine Superkraft, die den Männern fehlt. Das wird niemanden überraschen, aber Männer sind emotional benachteiligt. Und genau das soll frau sich zum Vorteil machen und die Männer abhängig machen von der Liebe in uns. Wenn der Mann also gerade mal wieder blöd ist, dann sollte man ihn mit Liebesentzug strafen. Das ist zwar pädagogisch völlig unvertretbar und führt bei Kindern zu ernsthaften Störungen, scheint aber im Umgang mit Männern sowohl effektiv, als auch moralisch vertretbar zu sein.
So, da könnt ihr jetzt mal staunen, was man in der Uni alles so lernen kann. Wer würde es da wagen, noch an der Qualität der Hochschulen zu zweifeln.
Juli 7th, 2008 at 8:19 pm
Also in dem Fall ist Schlaf doch viel gesünder, als sich so Schwachsinn anzuhören. Ich dagegen bin immer in den Mathe-Vorlesungen eingeschlafen.
Juli 7th, 2008 at 8:35 pm
wer mathe studiert, ist selber schuld
und ich muss ja da sitzen, diese fiesen blöden listen immer… aber naja, so sitz ich dann wenigstens überhaupt mal inner vorlesung :/